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Klubgeschichte

Erinnerungen zur Klubgeschichte des SJK

Aufgezeichnet von Christian Rode, 2005

Als während eines Gespräches über Entwicklungen des jagdlichen Schießens und Blasens in den vergangen Jahren alte Erinnerungen aufkamen, haben mich Klubkameraden gebeten, diese doch einmal aufzuschreiben. Viele Dinge sind nur noch wenigen Klubmitgliedern bekannt und sollten so als Vereinsgeschichte nicht verloren gehen.

Einleitung

Mein Vater war bereits früher Jagdscheininhaber, durch die Wirren des 2. Weltkrieges und der danach erfolgten Aufbauphase jedoch nicht mehr jagdlich aktiv. Dadurch vergingen mehr als 10 Jahre seit er seinen letzten Jagdschein gelöst hatte, sodass er 1953, als er beschloss wieder einen Jagdschein zu lösen, nach den damaligen jagdlichen Bestimmungen die Jägerprüfung noch mal ablegen musste. Also meldeten wir uns zusammen zum Jungjägerkurs 1953/54 an.

Der damalige Kurs und die anschließende Prüfung wurden von den gleichen Leuten vorgenommen, was natürlich aus heutiger Sicht zu allen möglichen Spekulationen führen könnte. Ich darf aber versi- chern, dass die Jägerprüfung genau so korrekt wie heute ablief, allerdings für durchgefallene Prüflin- ge erst wieder nach 1 Jahr die Möglichkeit zum wiederholen bestand. Damaliger Lehrgangsleiter war der unvergessene Otto Buss, der uns empfahl, Mitglied im Sachsenhäuser Jagdklub zu werden. Da der Jungjägerkurs im November begann, wurden wir also ab Januar 1954 Klubmitglieder.

Der damalige Jungjägerkurs wurde ohne Bindungen zu den bestehenden Frankfurter Jagdvereinen abgehalten, die Ausbilder kamen aus den verschiedensten Klubs. So war Ausbilder in Wildkunde der damalige Oberförster Häde, Leiter der Oberförsterei Oberwald des Frankfurter Stadtwaldes mit 5 Revierförstereien, es gab noch daneben die Oberförsterei Unterwald. Hundewesen unterrichtete die Herren Ruhl und Kellner, Herr Buss selbst unterrichtete in verschieden Fächern, Brauchtum war sein Steckenpferd, so verging kein Unterrichtsabend, ohne dass zum Schluss Jagdlieder gesungen wur- den, deren Text auswendig zu lernen war Pflicht. Viele damalige Lehrgangsteilnehmer entschlossen sich, auch Jagdhornblasen zu erlernen, auch diese Jagdhornbläsergruppe führte Otto Buss ohne Bindungen zu bestimmten Jagdvereinen. Jungjägerausbildung und Jagdhornblasen fand in der Gast- stätte der bürgerlichen Schießstände an der Isenburger Schneise statt, Wirt war Herr Scheuer, ein richtiger Urbayer, heute ist dort ein großes Hotel. Teile des Gebäudes wurde vom amerikanischen Rod- und Gun - Clubs genutzt, zu dem sich dadurch auch jagdlich ein recht partnerschaftliches Ver- hältnis ergab, viele amerikanische Jäger wurden Mitglied in Frankfurter Jagdvereinen. Auch die Kur- se für amerikanische Jungjäger führte Otto Buss durch. Natürlich war die Lage der Ausbildungsstätte ???an einem Schießstand ideal, zumal auch die Firma Zehner mit ihrer Werkstatt dort vertreten war. Fast zwangsläufig ergab sich der Anschluss an das jagdliche Schießen. Jungjägerausbildung, Exkursionen usw. laufen praktisch noch heute so ab wie zu damaliger Zeit.

Die Ausbildung von Jungjägern ist bis heute eine der ersten Aufgaben im Sachsenhäuser Jagdklub.

Zur Klubgeschichte

Dieser Sachsenhäuser Jagdklub war gerade nach der Auflösung der Hessenjäger, die 1947 gegrün- det wurden, aus der damaligen Ortsgruppe Sachsenhausen entstanden. Vorsitzender war Herr Krebs. Bei der Neuwahl im Frühjahr wurde Herbert Steinhausen neuer Vorsitzender, Schriftführer war Herr Bertram, Kassierer unser späteres Ehrenmitglied Willi Sippelius. Klublokal damals war die Gaststätte Reinhard in der Textorstraße, für die damals ca. 50 Mitglieder ausreichend, bemerkenswert war der seinerzeitige Besuch zu Klubabenden, als oft fast alle Klubmitglieder anwesend waren!

Als die Mitgliederzahl beständig wuchs, musste ein neues Klublokal gesucht werden und es wurde mit dem Tivoli in der Darmstädter Landstraße auch gefunden. Zu dieser Zeit waren nur 3-5 Mitglie- der aktive Jagdhornbläser, Otto Buss hatte zu dieser Zeit Differenzen mit dem Vorstand und war im ebenfalls aus den Hessenjägern entstandenen Jagdverein Nord-Ost aktiv.

Besonders zu erwähnen aus diesen Anfangszeiten sind trotz geringer Mitgliederzahl die sehr gut be- suchte jährlich durchgeführte Hubertusfeier, anfangs oft verbunden mit Trophäenschauen. Tombolas wurden veranstaltet, die Sachpreise hierzu wurden von Klubkameraden bei den einzelnen Mitglie- dern förmlich erbettelt und auch persönlich abgeholt! Veranstaltungslokal war zu Beginn die Schlachthofgaststätte, das Oberräder Depot, später für einige Jahre das Crest - Hotel, das heutige Holiday - Inn. Auch Hubertusmessen wurden veranstaltet, mal in Neu-Isenburg, auch im Frankfurter Kaiserdom.

Über das Bläsercorps

1954 wurde erstmals ein hessischer Bläserwettbewerb ausgetragen, Veranstaltungsort waren die bürgerlichen Schießstände. Wegen angeblicher Beschwerde von Gästen wegen des Lärmes hatte den Bläsern im Frühjahr 1955 der Wirt der Gaststätte die Benutzung seines Lokales zu Übungszwe- cken verboten. Neues Bläserlokal wurde die Gaststätte Oberschweinstiege, dessen Wirt Herr Renner ebenfalls Jäger war. Die damals recht harmonische Bläsergruppe wurde durch das Ansinnen des 1. Vorsitzenden des 1. Frankfurter Jagdklubs Herrn Blodig gesprengt. Er verlangte, dass zum anste- henden Bläserwettbewerb 1957, der in Kranichstein statt fand, die Bläsergruppe als Bläser des 1. Frankfurter Jagdklubs aufzutreten hätten. Die Bläser unseres Klubs, auch anderer Vereine wehrten sich dagegen. Seit dieser Zeit hat praktisch jeder Frankfurter Jagdverein seine eigene Bläsergruppe. In dieser Zeit entwickelte sich eine zunehmende Rivalität zwischen den Frankfurter Jagdkubs, die erst mit Gründung der Arbeitsgemeinschaft Frankfurter Jagdvereine allmählich abnahm.

Die Leitung der Bläser übernahm Willi Sippelius, der kurz zuvor zu den Bläsern gestoßen war. Die Zahl der Bläser in der Gruppe stieg kontinuierlich. Wir vom Sachsenhäuser Jagdklub übten dann in unserem Vereinslokal Tivoli, wo auch nach der Trennung des Jungjägerkurses die Ausbildung statt- fand. Vorsitzender wurde damals Herr Jerono, abgelöst kurzeitig von Herrn Buss, bis dann Herr Dr. Muno Vorsitzender wurde, diese Chronologie ist in den Klubarchiven zu finden, ebenso die jeweiligen Mitglieder des Vorstandes.

Bald wurde uns aber auch das Tivoli als Bläserdomizil gekündigt. Notgedrungen übten wir in einer Gartenhütte am Unteren Zwerchweg, zur Verfügung gestellt von dem Klubmitglied Herrn Hoffmann. Als wir feststellten, ohne professionellen Ausbilder uns nicht weiter zu entwickeln, wurde durch Vermittlung Herr Bugenhagen als Ausbilder engagiert, er war ehemals Bläser des Frankfurter Polizeiorchesters. In dieser Zeit nahm das Bläserkorps regelmäßig an den hessischen Bläserwettbewerben teil und errang zum Teil beachtliche Erfolge, u. a. wurde die goldene Hornfesselspange erreicht. Auch wurde 1965 auf Vermittlung durch Rudi Feldner eine Fahrt an den Dachstein nach Filzmoos unternommen, die Bläser untermalten dort eine Hubertusmesse im Freien.

Der Bläsercors des SJK 1967

Das Korps im Hof von Kranichstein 1967, von links nach rechts:
Schwab, Bergmann, Kleespieß, Flach, Bugenhagen, Raab, Simon, Sippelius, Rode, Hartmann, Littlepage, Perthen ?


Nach der Übergangszeit in der Gartenhütte wurde durch die Vermittlung unseres Vorsitzenden Dr. Muno als Mitglied des deutschen Teckelklubs dessen Vereinsheim in Schwanheim unser Domizil, ebenso wurden dort die Klubabende veranstaltet. Später wurden noch verschiedene Bläserausbilder engagiert, zu nennen Herrn Eichholz, der einige Jahre versuchte, der Truppe notengerechtes Blasen beizubringen. Nachdem dort einige Jahre später die Bewirtschaftung geändert wurde, mussten wir wieder das Lokal wechseln, zunächst zur Rudergesellschaft Germania, zur Schlachthofgaststätte und in den Saal des Altenheimes an der Mörfelderlandstraße. Inzwischen war Willi Sippelius Vorsitzen- der, nach vielen Jahren kurzzeitig von Herrn Moschner ersetzt, ehe dieser nach nur 6 Monaten zu- rück trat und dessen Stellvertreter Gerd Becker Vorsitzender wurde, nach 6 Jahren abgelöst durch Eduard Borck, dann Günter Heyne und Rudi Zech.

Die Bläser zogen nach Bonames um, Herr Kruck, zeitweilig 2. Vorsitzender und Jungjägerobmann, hatte auf seinem Firmengelände uns eine Bleibe zur Verfügung gestellt, dorthin siedelte auch der Jungjägerkurs um. Die Bläser übten später in verschiedenen Vereinsheimen am Mainwasen.

Das Bläserkorps war und ist bis heute wohl die aktivste Gruppe im Klub, sie gestaltet die Klubaben- de, bläst zu Jubiläen, Bestattungen und vielen sonstigen Anlässen, dazu jetzt schon jahrelang das Turmblasen am Neujahrstag.

Zu erwähnen die Klubmitglieder, die als Bläserobleute das Korps zusammenhielten, angefangen von Otto Buss, Willi Sippelius, Wolfgang Hartmann, Helmut Mittmann, Helmut Nickelsen, Hans Wink bis heute Walter Freyeisen.

Das Klubhaus

Während diesen Zeiten geisterte schon immer der Gedanke an ein eigenes Klubhaus in unseren Köpfen herum, bis sich endlich 1979 die Gelegenheit durch die Anmietung des Grundstückes am Wendelsweg ergab und durch Spende der Baubaracke der Grundstock zu dem heutigen Klubhaus gelegt wurde. Durch das engagierte Miteinander vieler Klubmitglieder wurde in Eigenregie unter der Leitung von Kurt Kirch die Baracke abgerissen und an der heutigen Stelle auf- und ausgebaut und später erweitert um das Geschäftszimmer und Küchenanbauten, sowie Lagerräume. Ungezählte Stunden beteiligten sich zahllose Klubmitglieder, auch Frauen derselben am Aufbau und später Pfle- ge des Klubhauses.

Soviel sollte zum Klubhaus genügen, es ist ja jüngere Geschichte, aber unter Klubmitgliedern war die Errichtung nicht unumstritten, nicht wenige prophezeiten uns ein Scheitern. Nachhaltig dazu in der Erinnerung die Aussage des Geschäftsführers des LJV, Herrn Dr. Vogel bei der Einweihung am 5. Oktober 1979, dass das Konzept nicht aufgehen könne, umso erfreulicher sein späterer Gesin- nungswandel, als er seine Fehleinschätzung zugab und gerne bei uns Gast war.

 

Das Klubhaus in der Bauphase 1979

So begann die Geschichte des Klubhauses, Aufbau am Wendelsweg ???


Das jagdliche Schießen ?

Wie schon eingangs erwähnt, waren die bürgerlichen Schießstände in Niederrad die ersten Austra- gungsstätten des jagdlichen Schießens vom Klub- bis zum Landeswettbewerb. Natürlich konnte die Einrichtung des Schießstandes heutigen Ansprüchen nicht genügen, alles war mit Ausnahme des Trapstandes recht primitiv. So musste z. B. die Anzeige der Kugelergebnisse noch mit einer Kelle angezeigt werden. Erwähnenswert die Beteiligung der Klubmitglieder damals am jagdlichen Schie- ßen, von 80 Klubmitgliedern waren z. B. 1955 bis 50 Mitglieder am Schießen beteiligt. Allmählich entwickelte sich eine recht schlagkräftige Schießabteilung, die dem damaligen übermächtigen und in Serie siegreichen Jagdverein St. Hubertus Frankfurt allmählich den Rang ablief.

Besonderes Engagement entwickelte der damalige Vorsitzende Steinhausen, dessen Ehrgeiz den Klub nach vorne zu bringen enorm war, auch nachdem die Meisterschaften und auch unser Klub- schießen wegen Schließung des Frankfurter Standes nach Darmstadt verlegt wurde. Viele amerika- nische Jäger verstärkten unsere Mannschaft, hier zu nennen unseren Dominik Raineri, der auch ers- ter Landesmeister unseres Klubs wurde. Zu nennen noch Mj. Kiel, Mr. Newman u. a., die Erfolge mehrten sich und der SJK übernahm die Vorherrschaft in Hessen und machten den anfänglich klei- nen unbekannten Klub hessenweit bekannt. Vielmalige Gewinne der Mannschaftswettbewerbe in A - und B-Klasse reihten sich aneinander, zahlreiche Pokale und Urkunden im Klubhaus belegen dies. Zu erwähnen besonders die Erfolge unseres Manfred Hülße, der bereits 1963 bei der Bundesmeis- terschaft in Stuttgart bester deutscher Jagdschütze wurde und 1968 die deutsche Meisterschaft in Darmstadt gewann, ebenso wurde er hessischer Meister Jahre später, sowie oftmaliger Meister im Taubenschießen. 1969 errang Christian Rode den Titel des hessischen Landesmeisters. Unsere Jagdschützen verstärkten in den folgenden Jahren oftmals die hessischen Farben bei Bundesmeis- terschaften, so wurde Manfred Hülße, Christian Rode und Willi Sippelius als Mitglieder dieser Mann- schaften wiederholt deutsche Mannschaftsmeister ihrer Klassen.

 

Landesmeisterschaft 1969, Mannschaftsmeister Manfred Hülße, Fd. von Stein, Christian Rode, Landesmeister

Landesmeisterschaft 1969, Mannschaftsmeister Manfred Hülße, Fd. von Stein, Christian Rode, Landesmeister

Kontinuierlich verbesserten sich Klubschützen, errangen höherrangige Schießleistungsnadeln, stie- gen auf über die B- Klasse, zur A – Klasse und als Krönung die Erringung der großen goldenen Schießleistungsnadel, die zum damaligen Zeitpunkt einzig an der einmal jährlich durch geführten Bundesmeisterschaft zu erwerben war.

Viele Klubmitglieder arbeiteten als Schießobleute, angefangen von Walter Burkhart, Toni Dostal, Christian Rode, Rudi Feldner, Hans Adams, Eduard Borck bis heute Hans Schmidt und Martin Ott.

Schwierigkeiten mit Übungsschießständen, sei es aus terminlichen oder aus Kostengründen, oder einfach aus Gründen des Umweltschutzes und der Lärmbelästigung, zwangen uns nach Darmstadt zunächst nach Gelnhausen auszuweichen. Frankfurt-Schwanheim blieb immer der Heimatstand, ob- wohl auch dort immer wieder verschiedene Schwierigkeiten auftauchten, speziell weil ein Übungsschießen nur werktags möglich ist. Zwischenzeitlich versuchten wir uns am Schießstand „Hoher Berg“ in Heusenstamm zu engagieren. Trotz erheblicher finanzieller Zusagen unsererseits, sicherge- stellt durch großzügige Spendenzusagen einiger Klubmitglieder, konnten wir dort nicht zum Zuge kommen. Waren es erstmals der Vereinsvorsitzende, der uns trotz allem finanziellen Engagements kein Mitspracherecht über die Ausgestaltung des Schießstandes einräumen wollte, auch durch Neidhammelei einiger dortiger Jagdschützen, kamen Anfang der 90er Jahre nicht erfüllbare Umwelt- auflagen hinzu. Wegen dieser Auflagen wurde der Stand geschlossen, die geforderten Maßnahmen blieben unerfüllt und wurden stillschweigend beerdigt, das heißt, auch bis heute wurden dort keine Umweltmaßnahmen durchgeführt, es wächst im wahrsten Wortsinn Gras über die Geschichte.

Schlusswort

BedingtdurchdenlangenZeitraum,dendieserBerichtabdeckenmöchte,isterdoch rechtumfang- reich geworden, ohne jedoch den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Sicher gibt es noch viele langjährige Klubmitglieder, die ihrerseits bestimmt weitere erwähnenswerte Begebenheiten aus dem Klubgeschehen beitragen könnten, dies zu tun, möchte ich hiermit anregen.